Lagebestimmung: Russland – eine kaum vermisste Nation
Es ist heute nicht die Zeit dazu, weltgeschichtliche Betrachtungen anzustellen. Es fehlt an Zeitgenossen, die daran interessiert wären und die sich das zutrauen möchten. Die Globalisierung, die überall die Staaten, die Staatlichkeit der Institutionen wegschmelzen lässt, bringt auch die Weltgeschichte zum verblassen. Der Aufstieg und die Peripetie, die Dekadenz der großen Reiche und ihr endgültiger Untergang, sie können kaum noch ein tieferes Erstaunen, gar einen Schauder hervorrufen. Von großen Untergängen alter Nationen und vom Erwachen ihrer Nachfolger künden keine Historiker oder gebildete Weltreisenden, sondern ökonomische Statistiker und Fernsehjournalisten. Ein Edward Gibbon oder ein Alexis de Tocqueville fände schwerlich eine Verwendung. Und auch die Staatsmänner, die sich und ihre Zeit in weltgeschichtlichem Licht zu betrachten vermöchten, gibt es nicht. Jacques Chirac, der dies prätendiert, wiegt zu leicht, ist auch kein Staatsmann.
Das traurigste Beispiel für diese Achtlosigkeit ist der fast stumme Niedergang des Sowjetreiches, der ein dekadentes Russland zurückließ, dekadent für lange Zeit. Wie barbarisch auch sein Regime vom ersten bis zum letzten Tag war, wieviel Angst und Hass die westliche Welt miterleben musste, es war eine organisierte und herrschaftsfähige Macht, die sich ihrem Jahrhundert einbrannte. Auch dieses finstere Reich ließ sich von hohen Ideen begabter und hingegebener Menschen tragen, wusste edlen Enthusiasmus zu wecken. Auch wenn es kümmerlich verreckte, es war keine Entgleisung der Geschichte. Der weltgeschichtlichen Betrachtung musste es eine Trauerstunde, einen Moment der Erschütterung wert sein.
Dies kann dem globalisiert journalistischen Denken nicht in den Sinn kommen.
So, wie das Sowjetreich und seiner Folge Russland in den Abgrund geglitten ist, lässt es eine Renaissance nicht erwarten; es ist endgültig aus. Von solcher Dekadenz gibt es keine Erholung, man muss den erstaunlichen Vorgang als endgültig betrachten. Das Wort Dekadenz wird von den Fernsehjournalisten und den ökonomischen Statistikern nicht benutzt, das Globalisierungsdenken, das endgültige Geschichtsschlüsse nicht erträgt, untersagt es. Das Zukunftsbild aber, das Russland der Welt heute bietet, ist zu schaurig, als dass es erlaubt wäre, noch eine Hoffnung auf diesen elenden Staatsrest zu setzen. Der Economist (vom 9. September) hat dem russischen Ende einen Bericht gewidmet, nach dessen Lektüre der Leser kaum noch fähig zum Trauern sein kann. Seit dem Kollaps der Sowjetunion sind sechs Millionen Einwohner verloren gegangen, es sind heute noch 143 Millionen. Um die Jahrhundertmitte könnten es nur noch hundert Millionen sein. Die Lebenserwartung der Männer ging zurück “in a way, otherwise found only in sub-Saharan Africa. It is around five years lower than it was 40 years ago, and 13 years lower than that of Russian women – one of the biggest gaps in the world.” Die Rate der Herzkrankheiten ist die höchste der Welt. “Russian propensity to die violently is probably unprecendently in industrialized societies at peace. The suicide rate is more than five times Britain's.” Mord kommt zwanzigmal so viel vor wie in Westeuropa, etc. etc. Zu schweigen von AIDS, dessen Gefahr die Russen in ihrer Mehrheit noch immer nicht begriffen haben.
Selbst der Staatschef Putin hat gelegentlich den Tod seiner Nation prophezeit. Wenn er aber eintreten sollte, wenn also die Nation Russland von der geschichtlichen Landkarte verschwände, wie hätte man sich dann diesen Leichnam vorzustellen? Wir können es, versumpft in globalisierter Betäubung, heute nicht ausdenken. Die Welt ist zu voll, wie einst der Areopag, zu voll auch von ungelebter Geschichtlichkeit. Vielleicht leben wir schon wieder, ohne es zu merken, in leviathanischer Zeit. Die Leere, die Russland zu hinterlassen droht, könnte uns noch nützlich werden, um unsere kommende Wolfswelt besser zu verstehen.
Denken an den neuen Menschen –
auf dem Weg zur medikalisierten Gesellschaft
Folgender Essay wurde, etwas gekürzt, am 10. Oktober auf dem 33. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie “Die Natur der Gesellschaft” in Kassel vorgetragen.
Wie hinfällig und verschwommen unser Denken über die Gesellschaft ist, können wir fast alle Tage erfahren. Plant man irgendetwas für die nähere oder mittlere Zukunft, will man es in Verträgen und Versicherungen fixieren, so bedarf es einigen Leichtsinns, gar bewusster Verblendung. Schließt man mit vierzig eine Lebensversicherung ab oder macht man sich eine Konstruktion fürs Rentenalter, so muss man wissen, dass zur Zeit der Aktualisierung das Meiste davon eitel, gar grundfalsch sein wird. In der Zwangsjacke der Erwartungen, in der uns die gegenwärtige soziale Organisation festhält, werden wir in Kurzsichtigkeit gebannt und wir verlieren die lebensnotwendige Neugier. Wir können, wenn wir unsere Lebensformen wenigstens für zwanzig Jahre festzurren wollen, uns nur in täuschenden Wahrscheinlichkeiten bewegen. Deswegen ist auch vielen das Soziale verleidet. Und gerade die Gescheitesten verlieren die Lust, die heutige als eine Vorstufe für eine künftige Gesellschaft zu konstruieren, in der man vernünftig mit einigen moralischen Ansprüchen leben könnte. Der umwerfende technokratische Optimismus eines Condorcet ist heute ebenso undenkbar wie die Montagelust eines Pierre Bourdieu, die sich noch von der lebendigen Anschauung der Restbestände einer bürgerlichen Gesellschaft nähren konnte.
Der Überdruss am Sozialen kommt nicht zuletzt daher, dass wir resigniert haben, vom Individuum Eingehendes und Verpflichtendes wissen zu wollen. In Deutschland, wo nach der Planierung der bürgerlichen Gesellschaft in den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren die Sozialwissenschaften noch einmal kurz aufblühten, bezeichnenderweise vor allem mit der Industrie- und Bildungssoziologie, hat sich seitdem ein hartnäckiges Desinteresse an Gesellschaft und an Gesellschaftlichkeit durchgesetzt. Das Desinteresse und die vielerlei Vermeidungen von Gesellschaft ließen sich erklären, unter anderem mit den Konsequenzen der Globalisierung, der großen Hobelmaschine für die alten europäischen Gesellschaften. Der Kampf der Marktkräfte schiebt überall die Institutionen auf Treibsand. Sie nehmen nicht ab, wie es der fromme Ökonomenwunsch möchte, sondern schwemmen sich auf, vermehren sich sogar, werden dabei aber opak, undurchsichtig, gerade auch für die Sozialwissenschaft. Unter der alten Staatswissenschaft hatte man noch an ihre prinzipielle Transparenz glauben können. Die kurzlebige und kurzatmige Politikwissenschaft, die sie weithin ersetzte, hat, indem sie als Demokratiewissenschaft ansetzen wollte, solche Ansprüche alsbald aufgegeben, aufgeben müssen – und ist jetzt im Abschnappen. Aber ist es seriös und legitim, auf jegliche Erklärung von Institution und ihrer Behauptungsfähigkeit, also ihrer Notwendigkeit zu verzichten? Eine radikale Ökonomie wünscht das wohl so. Und der Masse der heutigen halbgebildeten technischen Intelligenzler käme der Wunsch der Margaret Thatcher gerade recht. Sie wollen keine Gesellschaft kennen und begnügen sich mit den Auskünften der Umfragetechnik zur Ermittlung von Meinungskonjunkturen und von Konsumstimmungen, auch für alles Politische.
Auf Gesellschaft zu bauen, ihr auch nur halbwegs haltbare Solidaritätsbildungen zuzutrauen, ist in diesem Jahrhundert, so weit wir blicken können, nicht mehr möglich. Es scheitert von vornherein am Weltmarkt, ebenso wie das “Nation Building” des Präsidenten Bush an der schieren Existenz des Imperiums scheitert, das sich auf der Krücke neuer Nationen nach Amerikas Bild über die Zeit retten möchte. Wie prekär auch immer Staaten und korporatistisch gestüzte Gesellschaften im Westen sich über einige weitere Runden bringen, man muss schon Fachmann mit nicht allzu großer Phantasie sein, um an einen tragenden Fonds für die eigene intellektuelle Arbeit an der Geschichte zu glauben.
Soweit nur einige Aperçus zur Ausgangslage, von der her sich die folgenden Spekulationen bewegen. Diese Spekulationen nehmen ihren Ausgang von den Europäern, von der Verwerfung ihrer Gesellschaften, sie führen schließlich auf Europa zurück. Nur sie können uns legitimerweise etwas angehen, nur in ihnen und mit ihnen können wir uns zwingen lassen, soziale und politische Begriffe zu bilden. Die übrige Welt, eingeschlossen Amerika, geht uns nichts an, weil sie uns moralisch wie politisch nichts angehen kann. Wir können sie nicht rekonstruieren, weil wir nicht in der Lage sind, uns auf sie verpflichten zu lassen. Sie weisen uns Größen vor, die wir in Rechnung stellen müssen, aber immer nur in unserem Denkmodus. Man erlebt es alle Tage an den anfeuernden und doch nichtigen Vergleichen, von Universitäten etwa und Wirtschaftsleistungen. Was der Fall ist und was zu tun, gar sittlich geboten wäre, können wir nur für Europa sinnvoll ausdenken. Es mag in all den Globalisierungs- und Universalisierungsräuschen schwierig sein zu lernen, dass es wenig Gewinn bringt, sich in ein tieferes Wissen mit anderen und von anderen einzuleben, wie es der flache Universalismus der Demokratisierung fordert. Der Papst hat für seine Organisation die Konsequenz daraus gezogen, indem er sich einem Pathos der Ökumene verweigert, die nach aller Wahrscheinlichkeit der christlichen Glaubenskraft nicht beflügeln kann und taub bleiben muss.
Diese Vorbemerkung zu Europa als einen identifizierbaren historischen und begreifbaren Raum, als eine analytische Werkstatt, läuft auf die Trivialität hinaus: Um sich wahrnehmen, sich genießen und agieren zu können, muss das Individuum in einem Zusammenhang leben, der sich erkennbar machen lässt, in dem es sprechen kann, in dem es Autorschaft und Zuständigkeiten geben kann, Verantwortlichkeit. Eine wünschbare Gesellschaft kann man nur konstruieren, wenn man die Begrenzungen benennen will und kann. Für die Weltgesellschaft gilt dies nicht.
Lassen Sie mich mit einer Hauptthese einsetzen, aus der eine Reihe von Prognosen und hinreichend handfesten Spekulationen zu entfalten wären. Die These: Der europäischer Homo faber wird heute zusehends in eine Situation getrieben, in der es ihm nicht mehr erlaubt sein wird, von seiner natürlichen Konstitution wie von seiner Persönlichkeit so wenig zu wissen, wie es ihm gestern noch möglich war. Er wird zu einer kaum geahnten, doch gefürchteten Kenntnis von sich und zu Erwartungen gezwungen sein, weil solche Kenntnis nunmehr möglich ist. Anders würde es der europäische Homo faber, der zuletzt allzu ausschweifend von seiner Lizenz des Nichtwissens, der Eigenignoranz Gebrauch machte, alsbald umkommen, und keine organisierte Gesellschaftlichkeit könnte ihm vom Sturz abhalten.
Allererst festmachen lässt sich dieser unbedingte Zwang zu Selbstkenntnis und damit der Zwang zur Selbstverfügung an der stürmischen Entwicklung der Biotechniken. Sie erlaubt nun keinen Verzicht auf Prognose mehr, auch keinen Verzicht auf Anamnese. HEUTE entzieht man sich weithin der Prognose schon deswegen, weil ihre Konsequenzen allzu anstrengend, belastend und als kaum durchsetzbar erahnt werden. Es werden also die Ansprüche, da das Mögliche ständig zunimmt, ständig gesenkt. Damit die Gesellschaftlichkeit erhalten werden kann – und damit auch der Staat – müssen sich alle immer mehr Ignoranz und Prognoseverzicht zugestehen. Die sogenannte Gesundheitspolitik zum Beispiel, die in Deutschland soeben wieder reformiert werden soll – letzten Endes rein kameralistisch und somit perspektivlos – muss sich mit aller Kraft eine Prognose über die künftige physische und damit auch die sozialmoralische Beschaffenheit der von ihr zwangssolidarisch betreuten Bürger versagen. Sie reformiert willentlich zukunftslos – ansonsten könnte sie nur Angst und Resignation verbreiten und sich selbst politisch außer Kraft setzen. Sie kann den mündigen Patienten im Ernst gar nicht wollen, sie braucht aber seine Fiktion. Gäbe es ihn nämlich, das Gesundheitssystem verlöre seinen Halt. Zu seinem Halt gehört die Unwissenheit, die Unmündigkeit der Versorgten, aus der die staatlich organisierte Solidarität entsteht, gebildet werden muss. Je genauer die Prognose, je transparenter die biologische Konstruktion des Individuums und daher die Verantwortlichkeit für sich selbst, desto geringer muss der Aufwand an Zwangssolidarität sein, die die sozialstaatlichen Institutionen, ja schlechthin Staatlichkeit legitimiert. Jeder aufnehmende Klinikarzt käme in Verlegenheit, brächte der präsumptive Patient seine gründlich fixierte und von ihm auch “gewusste” Anamnese mit, wäre also an sich angstlos interessiert und somit verantwortungfähig.
Hier nun einige Elemente, die die unaufhaltsame Drift zur Selbstkenntnis des Individuums, zur Transparenz seiner biologischen Konstitution aufweisen sollen:
In den westlichen Kulturnationen leben heute, 28 Jahre nach der Geburt der Britin Louise Brown, rund drei Millionen Menschen, die mit Hilfe der In-vitro-Fertilisation in die Welt gekommen sind. Jene Louise Brown wurde übrigens kürzlich von einem Kind entbunden, ohne IvF-Beistand. Da heute höchstens 15 bis 20 Prozent der angesetzen Versuchsreihen zum Erfolg führen, muss man um ein Vielfaches die Zahl der unerfüllten Kindeswünsche und der vergeblichen Therapien dazu zählen. Es ist als mit einer großen Population Fertilitätsdefekter zu rechnen, für die auf dieser Technik kein Tabu mehr ruht. Zugleich nimmt die Rate der Infertilität bei Männern wie bei Frauen und damit die Menge der unerfüllten Wünsche zu, die nach einer IvF-Therapie als einer Behebung eines Mangels am humanen Lebensanspruch verlangen dürfen. Zu welchen Absurditäten dies führen kann, hat die jüngste gesetzliche Regelung in Deutschland gezeigt, wonach die öffentlichen Krankenkassen nur noch zwei IvF-Versuche bezahlen müssen. Die Kosten für jeden weiteren Versuch müssen die willigen Ehepaare selber finanzieren. Seitdem ist die Zahl der Anträge stark zurückgegangen.
Der IvF vorangegangen war die Amniozentese, die bereits einen wissenschaftlich präparierten Entscheidungszwang über Tod und Leben, also eine gewusste und gewollte Selektion mit sich bringt und daher von der Katholischen Kirche abgelehnt wird. Sie ist bereits die Pandorabüchse, mit deren Geschenken Homo faber zum Zwang der Erkenntnis seiner Natur und seiner Person erst verlockt, dann getrieben wird. Sie wurde der Sage nach vom verträumten und fahrlässigen Epimetheus geöffnet, dem Bruder des titanischen Fortschrittschmieds Prometheus, der davor gewarnt hatte.
Die IvF besiegelt bereits die prinzipielle Trennung von Sexualität und Fortpflanzung. Sie generiert und treibt zu weiteren Techniken zum Zwecke kontrollierter menschlicher Reproduktion.
Die bedeutungsvollste darunter ist die PID, die präimplantatorische Diagnose, eine Selektionsmethode höheren Rangs. Denn sie soll nicht nur, wie mit der Amniozentese, das Urteil über das bloße Lebensrecht erlauben bzw. zu erzwingen, sondern auch die Bestimmung gewisser Qualitäten oder Eigenschaften möglich machen. So weit sind wir noch nicht, aber zweifellos wird PID, die in nächster Zeit gelingen wird, dann auch weit verbreitet sein und angewandt werden.
Sie ist durch Gesetze und Konventionen einstweilen noch untersagt. Heute vor allem deswegen, weil Embryonen verbrauchende Forschung dabei unumgänglich ist. Die PID, die sich als Therapie rechtfertigen muss, aber weit mehr erwarten lässt, kann die Verbotstafeln, die sie umgeben, jedoch immer weiter hinaus stellen, ebenso wie die Stammzellenforschung und das Klonen zu Zwecken der Reproduktion. Das Verbot erweist sich zugleich als stimulierend für eine “umgehende” Forschung, wie ja überhaupt die Human-Biotechnik über bestimmte Strecken als vermeidende Forschung weiterkommen muss. Ebenso stimuliert werden Fälschung und Korruption, wie im Fall des aufgeflogenen koreanischen Stammzellenforschers Hwang. Aber auch solche schiefen Manöver nützen dem wissenschaftlichen Fortschritt. Es wird vermutlich keine zwei Jahrzehnte dauern, bis PID generell zur Formung eines erwünschten Phänotyps benutzbar sein wird und damit ihre Legitimierung erhält. Dies gilt ebenso für manch andere, jetzt tabuisierte Kunstnaturprodukte wie die Chimäre.
Ein weiteres, nicht minder bedeutendes Element in der biotechnischen Drift, die das Individuum seiner Selbstverfügung durch Selbstkenntnis entgegenführt, ist die im Prinzip nunmehr mögliche Niederschrift seines Genoms und seine Instrumentalisierung, auch dies unter einer therapeutischen Begründung. Das Grundmuster dafür wurde, zehn Jahre früher als noch 1990 erwartet, als Weltsensation um die letzte Jahrhundertwende bekannt gegeben. Zu Recht, denn es markiert den wichtigsten Schritt seit der Entdeckung der Doppelhelix in den frühen fünfziger Jahren. Ihre Konsequenzen sind bei weitem nicht ausgelotet, wie aus Angst vor den gebotenen Perspektiven. Doch nunmehr lässt sich erwarten, dass die individuelle Genomkarte, wenn auch unvollständig, in zehn Jahren herstellbar sein wird und damit zum sozialen Gebot erhoben werden kann.
Wenn heute die individuelle Genomkarte einen sechs- bis siebenstelligen Dollarbetrag kostet, werden es in absehbarer Zeit nur noch ein- bis zweitausend Dollar sein. Die riesigen Sequenziermaschinen, die in den USA entwickelt werden, werden es möglich machen.
Schon zeichnet sich in mittlerer Ferne eine paradigmatische Gestalt der medikalisierten Gesellschaft ab: die Ektogenese, also die Zeugung und die Reifung des Menschen im abgeschlossenen technischen Milieu, im künstlichen Uterus. Auch darüber ist vorderhand in den meisten westlichen Staaten ein Forschungsverbot verhängt, wenn auch mit unterschiedlichen Begründungen. Jedoch erwarten selbst Kritiker dieses technischen Entwicklungspfades, so der Genetiker und Anthropologe Henri Atlan, dass bald nach der Jahrhundertmitte die Ektogenese perfektioniert und damit verfügbar gemacht werden kann. Das meint, dass der neue Mensch unter Bedingungen gezeugt werden und, fern vom Mutterleib, heranwachsen kann, die mehr Sicherheit gewähren, als sie der naturproduzierte Embryo bisher genießen konnte. Die Ektogenese, beim Wort genommen, wird mit sich bringen, dass die bis heute herrschende Spontaneität, gewissermaßen der göttliche Funken bei der Errichtung des Menschen, seine Geltung verliert. Am Anfang stünde, nach einem Abgleich der elterlichen Genome, ein Gründungsakt, ein Vertrag, in den auch die verantwortliche Klinik einbezogen werden müsste. Dies vor allem aus Gründen der Haftung für das Gelingen des Menschenwesens. Modellprozesse in dieser Perspektive werden schon heute geführt, etwa wenn dem IvF-Arzte ein Kunstfehler unterläuft und er versehentlich die Eliminierung eines Erbdefektes unterlässt. Die Ärztehaftung muss herangezogen werden, wenn auf solche Weise ein nur halb lebensfähiger Mensch in die Welt gezogen wird, in der er als Person gelten muss – gegen den vorher erklärten Willen der Mutter, die ihre Ovozyten eingebracht hat.
So weit nur einige der wichtigsten technischen Konstrukte und Verläufe, die auf die medikalisierte Gesellschaft zustreben, in ihr konvergieren. Das ist erst nur ein Verlegenheitsbegriff, mit dem sich die immer dichtere Empirie fassen lässt, also noch keine Theorie oder ein Gesellschaftsbild. Dafür ist es im Augenblick zu früh, die meisten dieser Biotechniken sind ja auch soeben erst ans Licht getreten.
Eine Demonstration lässt sich an einer leitenden Figur entwickeln, der prädiktiven Medizin. Es handelt sich dabei nicht um eine umfassende Therapie für das Individuum, sondern um ein gesellschaftliches Verhältnis, das zahlreiche Institutionen auflösen wird und gewissermaßen die Ruinen der geschwächten Industriegesellschaft in eine neue Ordnung setzen wird. Die prädiktive Medizin ist nicht eine Erweiterung der Präventivmedizin, eine leider nie realisierte Stütze der sozialstaatlich umfassten Industriegesellschaft. Während die Präventivmedizin weiterhin auf kurativ begriffene Therapieordnungen setzen muss, die nur rechtzeitig und mit kollektiver Voraussicht gehandhabt werden, geht die prädiktive Medizin konsequent vom Individuum und seiner je eigenen Konstitution aus. Es werden also nicht Organe und ihre eingetretenen oder befürchteten Defekte behandelt. Vielmehr wird für jede Konstitution ein eigenes Gesamtmodell entwickelt – wozu bereits die Kenntnis von seinem Genom herausfordert. Das Individuum soll sich zu jeder Zeit, seiner jeweiligen Lebenszeit, seiner Kontrolle unterziehen, also gar nicht so weit in seine körperlichen Schwächen hineingeraten, dass es sich, nach dem Ausbruch seiner Krankheit von den Experten behandeln und und heilen lassen muss. Leben wäre dann ein stets kontrollierbarer Prozess, den das Individuum, nun nicht mehr als Patient, aus eigenem Wissen und mit eigener Verantwortung für sich mitverfolgt. Dies wäre der endgültige Bruch mit dem empiristisch-industriegesellschaftlichen Geist. Die wissenschaftlich-technischen Gegebenheiten erlauben es schon heute, die prädiktive Medizin in die Reichweite der nahen Möglichkeiten zu rücken. Das kann freilich nur gelingen, wenn die Individuen selbst aktiv an der Erstellung ihrer biologischen Grundformel, an ihrem Lebensmuster interessiert sind. Da sie ja Kontrolleure ihres Lebensprozesses sein sollen, müssen sie auch in die Lage versetzt werden, dies zu leisten, sich von der Unterwerfung unter die Expertenmedizin zu lösen, sich zu emanzipieren, sie zugleich aber zu akzeptieren.
In der medikalisierten Gesellschaft muss sich jeder so genau wie möglich kennen, denn nur so kann er sich beherrschen und damit Solidaritäten einfordern.
Das ist schon deswegen unerlässlich, weil nunmehr die sozialen Privilegien, ebenso die Sanktionen, die jeder für sich beanspruchen darf oder erleiden muss, nach ganz anderen Kriterien zu bemessen sind. In der kapitalistischen und politisch demokratischen Erwerbsgesellschaft, zu deren Waisen die Europäer im auslaufenden Industrialismus nun werden, waren bürgerliche Gleichheit und der Anspruch auf Solidarität vor allem an Leistung und Leistungsbereitschaft gebunden. Dem Homo faber und Citoyen musste aus dem Prinzip der Gleichheit alles zugetraut werden. Seine Wertigkeit war an seiner Arbeitsmoral zu messen, danach musste der europäische Sozialstaat verfahren. Er war elastisch genug, um die Tausende von Abweichungen und Fehlleistungen auszugleichen. Mit der einstweiligen Übernahme der Herrschaft durch die Finanzmärkte geht es darwinistischer zu. Sie parasitieren zwar an den industriegesellschaftlichen Balancen, die der Staat unter immer größeren Belastungen herstellt, aber noch ist etwas da, woran parasitiert werden kann. Wie lange noch, wird immer heißer diskutiert. Das Platzen der nächsten Spekulationsblase wird einige Lehren erteilen.
Die erwerbsgesellschaftlichen Bestimmungen des europäischen Sozialstaats werden durch die Medikalisierung im Prinzip geschwächt. Maßgebend für die Ansprüche wie für die Verantwortlichkeiten, mit denen das Individuum umzugehen hat, wird nun mehr und mehr seine biologische Ausstattung und ihre Pflege. Diese Ausstattung ist immer schon ungerecht. Geht man dieser biologischen Ungerechtigkeit an die Wurzel, so wird auch das Verdienst durch Tugend, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbereitschaft relativiert. Ebenso die Minderprivilegierung durch Laster und Dummheit. Es sind die mitgebrachten biologischen Defekte, die Gleichheit bestimmen und herstellen. Und es ist die Mehrheit, die mit erkennbaren Defekten behaftet ist. Lassen sich diese Defekte diagnostisch begreifen, so sollten sie auch therapierbar sein. Die Minderheit der biologisch Fehlerlosen kann andererseits aus ihrer Normgesundheit, die sie ohnehin nur zeitweise genießt, keine Vorteile ziehen. Eine medikalisierte Gesellschaft stellt also Gleichheit und Berechtigung zur Solidarität im Prinzip nicht mehr politisch, durch Bürgerschaftlichkeit her, sondern durch den jedermann auferlegten Zwang, sich wissend selbst zu kontrollieren. Anders kann er keine Solidarität für seine Schwäche einfordern. Es lässt sich ahnen, welche schwere Last damit aufgebürdet wird. Das wäre in aller Kürze erläutern:
Die Einführung der prädiktiven Medizin als des zentralen Aktionsfelds der Medikalisierung steht vor drei Barrieren, die vorderhand als schwer überwindbar erscheinen: Erstens, das Beharren auf dem Unwissen von der eigenen Natur, der Unkenntnis der biologischen Konstitution. Zugespitzt: Das europäische Individuum will, so muss man vermuten, nicht in die Gefahr geraten, hinreichende Kompetenz zu erwerben, auf dass es sich selber kontrollieren muss – eben weil es sich kontrollieren kann. Verständlich, weil etwa mit der Fähigkeit, das eigene Genom zu “lesen”, übermächtige, grausame Entscheidungszwänge entstehen. Aber es geht nicht anders: War das Beharren auf dem Recht des Nichtwissens bisher nur dumm und angstvoll, so wird es mit der Medikalisierung geradezu zur Sünde. Man wird mit dem Recht auf Nichtwissen, wie es etwa der Techno-Gnostiker Hans Jonas behauptet hat, sich selber zum Feind. Wie immer, mit ihrer Ignoranz über ihre biologische Kondition versperren die europäischen Massenindividualisten sich selber gegen die Legitimität ihrer Lebensrechte.
Zum zweiten ist es der Staat mit seinen sozialen Sicherheits-Institutionen, der einer rationalen Medikalisierung im Wege steht. Ein Beispiel: Es muss im Selbsterhaltungsinteresse der sozialstaatlichen Bindungen liegen, gesellschaftliche Spaltungen durch biologische Bedingtheiten zu verhindern und zu beseitigen. Eine solche Spaltung ist heute in weiten Teilen Europas mit der Pandemie der Adipositas gegeben. Adipositas wurde als ein Massendefekt vor allem der Unterschichten zuerst auffällig in den USA, wo man schon vor dreißig Jahren von der “Nation of fatties, run by slimmies” gesprochen hat. Sie hat sich mittlerweile verfestigt, auch in den reichen Regionen Europas, wo ebenso wie in den USA, die nationalen Sozial- und Gesundheitspolitiken ziemlich ratlos vor der Verformung und der Schwächung ihrer “Volkskörper” sind. Schon mit den staatlichen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten liegt es schief. In Deutschland ressortiert Adipositas beim Gesundheitsministerium, wird also als therapierbare Pathologie begriffen. Sie müsste mit gleichem Gewicht unter die Fürsorge des Sozial- und Arbeitsministers gestellt werden, ebenso des Ministers für Ernährung und Konsum, für Landwirtschaft..
Gleiches gilt auch für viele andere Errungenschaften, die aus der biomedizinischen Forschung demnächst zu erwarten sind. Erweist es sich zum Beispiel, dass prädiktive Medizin sich aufgrund der technischen Ausstattung als praktikabel, aber nur aus Geldmangel nicht aktualisiert werden kann, so müssten die entsprechenden Prognosen ebenso vom Finanz- wie vom Wirtschaftsminister gelesen werden, aber auch von den Bildungsministern, die für Gesundheitserziehung und Universitätsausbildung neue Kriterien und Organisationsformen entwickeln müssten. Schließlich brächte die prädiktive Medizin beträchtlichen ökonomischen Gewinn für den Staat. Denn die Wirtschaft der kurativen Medizin ist unsinnig teuer.
Es geht also mit dem biotechnischen Fortschritt um eine neue Kompetenzordnung innerhalb zahlreicher Staatsagenturen – und damit ändert sich auch die Qualität des Staates selbst. Die heutigen Ressortordnungen sind diesem Fortschritt längst nicht mehr gewachsen, sie sind aber konservierend hartnäckig, schlicht lernunfähig. An ihnen scheitert auch die parlamentarische Demokratie.
Die dritte Barriere, die einer rationalen Medikalisierung entgegen steht, liegt in den Orientierungen der forschenden und produzierenden Industrie. Die life sciences, nun weitgehend von den fünf oder sechs übrig gebliebenen Pharma-Konzernen dominiert, büßen Vieles von ihrer innovativen Potenz ein. Unter dem Druck der Finanzmärkte konzentrieren sich die Konzerne in oligopolistischer Konkurrenz mehr und mehr auf die Herstellung von Blockbuster-Produkten, die mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz jährlich garantieren. Das führt innerhalb der Konzerne zu unsinnigen Macht- und Kompetenzbildungen – und zu vermehrter Bürokratisierung. Das haben die Übernahmeschlachten der letzten zehn Jahre bereits demonstriert. Gerade die Konzentration von Synergie wirkt am Ende kontraproduktiv.
Andererseits ist die Lernfähigkeit dieser Industrie unentbehrlich, damit das Versicherungswesen, das öffentliche wie das private, seinerseits in die erforderte Flexibilität getrieben wird. Ich möchte wetten, dass man in den Führungsspitzen der Allianz dieser Anforderungen bereits gewahr ist, sie reflektiert – aber mangels organisierbarer Lösungen nicht zu Wort kommen lässt.
Wir schlittern also wieder einmal, und diesmal gründlich wie nie, in eine Fortschrittsfalle. Darüber darf jetzt nicht nachgedacht werden, vor allem nicht in den politischen Parteien. Sie würden nämlich, wenn sie sich bewusst machten, was sie zu tun hätten, alsbald das Handtuch werfen.
Aus den Tagebüchern – Werkstatt-Texte – Miszellen
Biometrisch
Auch in Frankreich führt man jetzt Identitätskarten mit biometrischen Daten ein, einstweilen nur auf Anfrage. In Lyon bat ein Mann um einen biometrischen Pass, erhielt daraufhin die Akte mit seinen gesamten Geburtseintragungen, wie sie für die Ausstellung erfordert werden – und brachte sich um. Er erfuhr nämlich, dass er ein Adoptivkind sei, was ihm völlig unbekannt gewesen war. (Siehe Le Monde, 28. 9. 06)
In den französischen Namensregistern sind neben Geburtsumständen auch Ehe, Geschlechts- und Namenswechsel etc. bei Adoptivkindern eingetragen, so sie früher als 1966 geboren sind, auch die biologischen Eltern. “Né sous X” lautet die Eintragung für anonym geborene Kinder, womit vor allem Mutter und Kind geschützt werden sollen. Weil dabei der Vatersname geheim bleiben soll, gibt es für die Standesämter und die Präfekturen heute angesichts der vermehrten Suche nach biologischer Herkunft wie auch nach dem “verlorenen” Kind mancherlei Schwierigkeiten und, wie in diesem Fall, Pannen. Deshalb sind die Behörden bei der Ausstellung von biometrischen Pässen, in der auch nach den leiblichen Eltern gefragt wird, äußerst vorsichtig. “Sous X” geborene Menschen warten daher bisweilen monatelang auf ihr Papier.
Die amerikanische Terrorhysterie hat dies alles verschärft. Es waren einmal zivile Zeiten, als der Bürger, wollte er verreisen, keine Identität benötigte. Visitenkarte genügt, allenfalls der Empfehlungsbrief an die befreundete Bank. Heute wäre es wohl das einfachste, alle bekämen bei der Geburt ihren Stempel in den Unterarm eingeritzt. Der Daumenabdruck dazu, das sollte in der biometrischen Epoche genügen. Wir in Deutschland haben darin schon einige Übung.
Logistik
Was ein Logo ist, wissen in diesem Land wohl die Meisten. Was der Logos ist, gewiss nur eine Minderheit. Ist es vielleicht der Plural von Logo, nur mit einem falschen Artikel? Das Logo soll die Marke und ihre Einmaligkeit bezeichnen, die es repräsentiert. Und wenn es das Einmalige signalisieren und in die Köpfe pragen will, müssen viele Logos vorhanden sein, sonst geht es nicht. Damit kann man den Logos, so will es der unvermeidliche Kalauer, als ein Missverständnis betrachten. Doch sprach da nicht kürzlich der Papst vom Logos des Glaubens? Da muss er sich versprochen haben. Das Logo des Glaubens ist es doch, wonach es jetzt viele wieder verlangt. Über die Logistik, die bekanntlich das Transportwesen bezeichnen, muss man sich nicht den Kopf zerbrechen.
Geheimnislos
“Wer kann sich schmeicheln, jemals verstanden zu werden? Wir sterben alle, ohne erkannt zu sein.” Das Zitat stellt Ernst Robert Curtius an den Anfang seines Essays (Balzac, Bern 1951). Wer die Chance hat, erwachsen zu werden, einige eigene Schritte zu tun, dabei auch bemerkt zu werden, muss es eines Tages einsehen: Niemand war und ist in der Lage, die Grundformel Deiner Person zu begreifen, auch die Liebsten nicht, die um Dich gelitten haben. Wem diese Einsicht nicht gelingt, wird es schwerlich zu einer selbständigen Persönlichkeit bringen. Den Heutigen redet man freilich mit Macht diese Einsicht aus: Wer sich im Netz befindet und sich in ihm wohlfühlt, wird allemal verstanden. Das ist ein Irrtum. Man wird im Netzwerk, im Kommunikationsgenuss nicht besser verstanden, vielmehr schlechter, als wenn man sich den anderen gegenüber sieht, mit eigenem Laut spricht.
Doch es gelingt auch einem selber nicht oder doch nur in täuschenden Schatten, seinen Lebenscode zu entziffern. Wir alle sterben ungewusst von uns selbst wie von anderen. Demnächst freilich werden wir uns in einer neuen Situation befinden. Wir werden, und zwar zunehmend genauer, unsere biologische Lebensformel, unsere natürliche Konstitution begreifen mpssen. Dies können wir uns nicht ersparen, wir werden über kurz oder lang dazu gezwungen sein. Und wenn wir davor zurückschaudern und es verweigern, weil es ans Intimste rührt, wird man als asozial und menscheinfeindlich erklären. So einer will sich zum Geheimnis machen und es für sich behalten, er hat gewiss etwas vor uns zu verbergen. Das kann nicht geduldet werden. Wir legen doch alle alles von uns offen, die meisten gerne und selbstverständlich. Pfui über ihn, er will ein Privatmann sein.
So werden gerade diejenigen reden, die Angst davor haben, sich selber nach ihrer Person und nach ihrer biologischen Gestalt anzusehen und zu begreifen. Aus solcher Angst und weil es zu viele Stupide und Feige gab, war ja auch der Faschismus genährt worden.
Am besten wehren dagegen kann man sich wohl, indem man sich, seine Natur ebenso wie seine moralische Person, schonungslos betrachtet und kein Geheimis von sich wahren will. Man kann sich dann unbeschwert in den Gegenangriff begeben. Wer sich dagegen in die Falle der Autobiographie begibt, um sich verständlich zu machen und verstanden zu werden, hat schon verloren, jedenfalls vor sich selbst.
mail@claus-koch.com
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